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Hörgeräte reinigen: Warum Ohrenschmalz Ihre Technik ruiniert – und wie Sie es verhindern

 ·  Ratgeber Hörgeräte

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Hörgeräte reinigen und pflegen

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht jemand mit einem Hörgerät zu mir kommt und sagt: „Es ist irgendwie leiser geworden.“ Ich schaue kurz rein, und der Cerumen-Filter ist schwarz. Ohrenschmalz hat die Technik fast vollständig blockiert.

Das ist kein Einzelfall. Es ist der häufigste Grund, warum Hörgeräte nachlassen. Nicht der Akku, nicht ein Defekt, nicht das Alter des Geräts. Ohrenschmalz.

Warum Ohrenschmalz Hörgeräten so zusetzt

Der Gehörgang produziert Cerumen als natürlichen Schutz, er hält Staub draußen und hält die Haut geschmeidig. Das ist gut. Das Problem: Ein Hörgerät sitzt genau dort, wo dieser Selbstreinigungsmechanismus arbeitet. Es blockiert den natürlichen Abtransport und sammelt Ohrenschmalz dort, wo er eigentlich herauswandern würde.

Je nach Hörgerätetyp landet der Cerumen an unterschiedlichen Stellen:

  • RIC-Geräte (Receiver-in-Canal): Der Schall kommt direkt aus dem Receiver im Ohr, und Ohrenschmalz kriecht in den winzigen Lautsprecher hinein. Der Cerumen-Filter fängt das auf, bis er voll ist.
  • HdO-Geräte mit Schlauch: Der Schlauch kann sich mit Feuchtigkeit und Cerumen zusetzen, besonders wenn er alt und spröde wird.
  • Im-Ohr-Geräte: Maximale Exposition, das Gerät sitzt komplett im Gehörgang. Alle Öffnungen sind direkt im Cerumen-Bereich.

Reinigung je nach Bauform, was wirklich hilft

RIC-Hörgeräte

Der Cerumen-Filter ist das Herzstück der Pflege. Er sitzt am Ende des Receivers und schützt den Lautsprecher vor Ohrenschmalz. Wenn das Gerät leiser wird und keine anderen Ursachen erkennbar sind: Filter zuerst wechseln.

  1. Dome (Gummikappe) vorsichtig abziehen
  2. Filter mit dem mitgelieferten Wechseltool herausdrehen, weißes Ende rein, drehen, raus
  3. Neuen Filter eindrehen, schwarzes Ende rein, bis er einrastet
  4. Dome zurücksetzen oder gegen neuen tauschen
  5. Gehäuse mit trockenem Tuch abwischen, Mikrofon-Öffnung mit Bürste reinigen

Cerumen-Filter sind Verbrauchsmaterial. Im Schnitt alle 4 bis 8 Wochen wechseln, bei starker Cerumen-Produktion öfter. Die meisten Marken verkaufen 8er-Packs für unter 10 Euro.

HdO-Geräte mit Schlauch

  1. Schlauch täglich auf Feuchtigkeit prüfen. Tröpfchen darin sind ein Warnsignal
  2. Bei Feuchtigkeit: Schlauch von der Otoplastik trennen und ausblasen
  3. Otoplastik: wöchentlich mit warmem Wasser ohne Spülmittel auswaschen, vollständig trocknen lassen bevor sie wieder ans Gerät kommt
  4. Schlauch alle 6 bis 12 Monate tauschen, er wird spröde und kann reißen

Im-Ohr-Geräte (ITE, CIC, IIC)

Die empfindlichsten Geräte in Sachen Pflege. Alles sitzt im Gehörgang, alles ist direktem Kontakt mit Cerumen ausgesetzt.

  1. Täglich mit Bürste alle Öffnungen reinigen. Mikrofon, Lautsprecher, Belüftungskanal
  2. Cerumen-Filter täglich prüfen, bei Verfärbung sofort tauschen
  3. Oberfläche mit trockenem Tuch abwischen
  4. Nachts in Trockenbox legen, kein Optionalprogramm, sondern Pflicht

Die 5 häufigsten Fehler, was ich im Geschäft sehe

1. Mit Wasser reinigen. Das Gehäuse sieht schmuddelig aus, also kurz unter den Wasserhahn halten. Resultat: Feuchtigkeit in der Elektronik, Kurzschluss, Garantieverlust. Nie Wasser direkt auf das Gerät. Nur die Otoplastik (abgetrennt) darf nass werden.

2. Wattestäbchen in Öffnungen stecken. Wattestäbchen drücken Cerumen tiefer rein, statt ihn rauszuholen. Für Öffnungen nur die mitgelieferte Bürste oder spezielles Reinigungswerkzeug.

3. Filter nie wechseln. „Der sah doch noch gut aus.“ Cerumen-Filter können von außen unscheinbar aussehen und trotzdem komplett dicht sein. Bei leiserem Klang: Filter wechseln, dann erst zum Hörakustiker.

4. Keine Trockenbox. Schwitzen, Regen, Badezimmer-Dampf. Feuchtigkeit ist die zweithäufigste Schadensursache nach Ohrenschmalz. Eine einfache Trockenbox mit Silikagel kostet 15 bis 30 Euro und verlängert die Gerätelebensdauer nachweisbar.

5. Reinigung im Badezimmer. Haarspray, Parfüm, Rasierschaum, all das setzt sich in Mikrofon-Öffnungen. Hörgeräte vor dem Badezimmer rausnehmen, danach wieder einsetzen.

Wann Sie zum Hörakustiker sollten

Selbstreinigung hat Grenzen. Diese Zeichen bedeuten: Termin machen, nicht weiter selbst basteln.

  • Gerät klingt gedämpft, obwohl Filter neu ist
  • Sichtbarer Cerumen, der sich nicht mit der Bürste entfernen lässt
  • Gehörgang ist so cerumenreich, dass das Gerät nicht mehr richtig sitzt
  • Schlauch ist verfärbt, rissig oder stark gelb
  • Gerät pfeift mehr als sonst, kann auf Sitzprobleme durch Cerumen-Aufbau hinweisen

Bei mir in Mannheim-Neuostheim biete ich professionelle Reinigung kostenlos an. Ultraschallbad für Otoplastiken, vollständiger Cerumen-Check, Funktionstest. Alle drei bis sechs Monate ist das für die meisten Hörgeräteträger der richtige Rhythmus.

Reinigung lohnt sich, finanziell und klanglich

Ein RIC-Hörgerät kostet zwischen 800 und 3.000 Euro. Der Cerumen-Filter, der es am Laufen hält: 1,20 Euro pro Stück. Das Verhältnis spricht für sich.

Wer regelmäßig reinigt, hat weniger Reparaturen, länger gute Klangqualität und muss nicht früher als nötig neu versorgen. Ich sehe das täglich: Die Kunden mit gepflegten Geräten kommen nach fünf Jahren noch mit tadelloser Technik zu mir. Die anderen nach zwei Jahren mit Reparaturschaden.

Wenn Sie sich beim Reinigen unsicher sind oder eine Einweisung möchten, kommen Sie vorbei. Ich zeige Ihnen in fünf Minuten, was für Ihr konkretes Gerät gilt.

Jetzt Termin vereinbaren, oder direkt anrufen: 0621 / 484 92 650.

AvB

Alexander von Bandemer

Hörakustik-Meister (HWK) · ehem. Leiter Abteilung Hörakustik bei Widex · ehem. GEERS Product Manager

Seit der Gründung von Hörakustik von Bandemer in Mannheim-Neuostheim beraten wir herstellerunabhängig — mit dem Ziel, für jeden Kunden die individuell beste Hörlösung zu finden.

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